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Lang hat’s gedauert, aber hier ist endlich mein Bericht vom 35igsten Real-Berlin-Marathon.

Das letzte Wochenende im September: Marathon in der Bundeshauptstadt mit 40.000 Läufern, wir mittendrin, na wenn das kein Spaß wird!

Am frühen Freitagmorgen flogen wir, Manuela, Alexander, Pierre und ich, als Vorhut sozusagen nach Berlin. Nach einer scheinbar endlosen S-und U-Bahn Fahrt mit jeder Menge umsteigen, fuhren wir die letzten Kilometer mit dem Taxi. Wir hatten nämlich keinen Schimmer, wo das Hotel war und Manuela wollte ihren etwas unhandlichen Koffer nicht mehr ziehen.
Dadurch kamen wir in den Genuss eines echten Berliner Taxifahrers, der uns toll unterhielt, supernett war und alle unsere dummen Fragen mit Engelsgeduld und Anekdoten gespickt beantwortete.

Wir stellten die Koffer im Hotel ab und machten uns auf zum Sightseeing. Die nächste U-Bahn Station war leider etwas weit weg, so etwas über einen Kilometer, das kann sich nach und vor einem Marathon schon mal ganz schön ziehen. Naja, was soll’s, wir sind ja nicht fußkrank.

Nachdem wir uns im KDW die Nasen platt gedrückt hatten, zu Mittag gegessen und ein paar Einkäufe getätigt hatten, fuhren wir zur Messe..........wieder laufen....ist ja Gott sei Dank erst Freitag.

Die Messe war groooß, ein Läuferleitsystem bei der Startnummernausgabe, welches gewöhnungsbedürftig aber effektiv war. Alexander hatte schon gleich das große „P“ (für Panik) im Gesicht, weil er in den letzten Startblock gesteckt wurde, aber Dank Manuelas Hartnäckigkeit ließen sie ihn dann doch aus D (das ist im ersten Startblock bei den Cracks) starten.

Am Greif-Stand trauten wir uns eine mehr-oder-weniger erfreuliche Fettmessung mit der „Fettklemme“ und dazugehöriger Prognose und Abnehmempfehlung machen zu lassen, Pierre brachte es auf den Punkt: „wenn ich dir sage, du sollst 5 Kilo abholen, haust du mir eine runter, wenn du 3 Euro dafür bezahlen musst, findest du das toll!“ Ist was Wahres dran, war aber trotzdem lustig!

Beim Verlassen der Messe trafen wir Nicole und die Anderen, die gerade angekommen waren; wir hatten aber genug und machten uns auf den Weg zurück ins Hotel (das war einmal durch die ganze Stadt; vergleichbar mit dem Mittelrhein-Halbmarathon)).

Abends aßen wir im Hotel und besprachen den weitern Verlauf für den Frühstückslauf am Samstag und die Fahrt zum Start am Sonntagmorgen.

Am Samstag gings um 8:30 zum Frühstückslauf.
Bei traumhaftem Wetter trabten ca. 15000 Menschen vom Charlottenburger Schloss zum Olympiastadion. Eine tolle Sache, alle waren in bester Lauflaune und am Stadion gab es auch ein kleines Frühstück.

Nachmittags gingen Pierre und ich noch typischen Touri-Aktivitäten nach, incl. essen, shopping, HBF gucken und Inliner gucken.
Da kam dann schon richtig Marathon Feeling auf, da war eine Riesenstimmung im Ziel. Wir feuerten die Fahrer auf den letzten Metern an und sahen uns die Siegerehrung an.

Zurück im Hotel gab es Abendessen in Buffetform, es wurde noch etwas gefachsimpelt, wie immer: wie viel Minuten muss ich laufen, wie schnell ist zu schnell, Wetter, Kleidung, Trinkgürtel? Nein! Oder doch? Gegen 22 Uhr waren dann alle auf ihren Zimmern.
Nach einer eher unruhigen Nacht war ich um kurz vor 6 beim Frühstück; da saßen schon fast alle Mitläufer und aßen sich richtig satt, kein Croissant – zu fett?! kein Vollkorn – zu viel Korn, was soll man denn nun essen? Wenn man, wie ich ein Frühstücksmuffel ist, wird‘s schwierig, für mich bleibts französisch, Croissant und Kaffee, das rutscht einigermaßen.
Dann gings mit dem Bus zur S-Bahn-Station und von dort weiter zum Hauptbahnhof. Auf diese Art mussten wir kaum laufen um zum Start zu kommen, um kurz nach halb acht waren wir schon da. So hatte jeder genug Zeit die Dixis zu besuchen, man munkelt, dass einer, dessen Name nicht genannt wird 7mal auf’m Dixi war, was wieder mal beweist, dass in Berlin alles super organisiert ist.
Kleiderbeutel abgeben und ab in den Startblock. Hier stand ich mit Manuela und noch ein paar aus unserer Reisegruppe, 8:45, Start der Rollis und Gemeinschafts-Warm-up. Um uns herum nur fröhliche Leute, die dem Start entgegen fieberten, hier war die Stimmung schon so gut, dass der Lauf einfach gut werden musste. Durch die Lautsprecher dröhnte die Musik und jemand erklärte den Ablauf des Startes, jeder Startblock startet einzeln mit Pausen, so dass die hinteren Blöcke langsam bis zur Startlinie aufrücken konnten, jeder Startblock bekommt seinen eigenen Startschuss, vom Wowi und der hat sich zur Verstärkung den Löw geholt, na jetzt kann ja nichts mehr schiefgehen.
Als es für uns losging standen wir kurz hinter der Startlinie, noch ein Daumen hoch und ab jetzt war jeder auf sich gestellt, 42195 Meter vor uns durch ein sonniges Berlin, welches sich heute von seiner besten Seite zeigte.
Auf der Straße des 17.Juni gings los, einmal um die Siegessäule und schon bald war der erste Kilometer vorbei. Die ersten Kilometer flogen nur so vorbei, ich war natürlich zu schnell, aber man muss auch mal was riskieren. Ich wollte um die 5:50 laufen, etwa 12 Sekunden schneller als in Paris, im Moment war ich allerdings so um die 5:35 unterwegs, das würde ich bestimmt nicht bis zum Schluss durchhalten können. Vorbei an Bundeskanzleramt und Reichstag, schnurrstracks auf den berühmten Friedrichsstadtpalst zu und Richtung Mitte, alles lief super, Wetter top, Befinden 1a, so könnte es weiter gehen. Aber irgendwo zwischen Neukölln und Kreuzberg holte mich mein Körper zurück in die Realität; „hallo!! Beine an Großhirn: das mach ich nicht noch 25 km so mit! Großhirn an Beine: halt’s Maul und lauf!! Bei der Halbmarathonmarke hatte ich 2:01 auf der Uhr; okay Großhirn an Beine: Ihr habt gewonnen.
So lief ich mit einem Km-Schnitt von knapp unter 6 weiter und freute mich über die Musik und die Zuschauer, machte am „Wilden Eber“ etwas langsamer, da sangen die Mädels von „Mamma Mia“ und hier war eine Super-Stimmung.
Der Marathon lief ja unter dem Motto 70er Jahre, und einige liefen auch mottomäßig verkleidet.
Ku-Damm und Tauentzienstrasse, strahlender Sonnenschein, Anfeuerung ohne Ende, überall Bands, dann zum Potsdamer Platz, vorbei an Sony-Center und Wolkenkratzern, gerade aus auf der blauen Linie Richtung km 39 ... unglaublich.
Noch ein kleiner Zick-Zack und ich bin „Unter den Linden“. Wow km 41, durch eine Baustelle ist das Brandenburger Tor nicht zu sehen, also guckt man auch nicht dauernd auf’s Ziel, was mir lieber ist.
Dann sehe ich links das Adlon und vor mir das Brandenburger Tor, welches noch nie so schön war, wie in diesem Moment, km 42 ist ziemlich genau dort, wo mal die Mauer war, um mich herum jubeln die Menschen, die letzten hundert Meter und durch, sensationell, mir ist zwar mittlerweile ziemlich warm, aber mir geht’s gut, keine Krämpfe, keine Schmerzen, alles im grünen Bereich.
Im Ziel ist ein Stau vom feinsten, klar so viele Läufer, die um die 4 Stunden laufen sind so schnell gar nicht zu bewältigen. Der Medaillenmann erzählt uns, daß Haile neuen WR gelaufen ist, was mich und mein Umfeld noch glücklicher macht. Ich kriege einen gelben Umhang, einen Verpflegungsbeutel, lasse Fotos machen und gehe zur Kleiderbeutelausgabe. Da ruft Alexander, der schon geduscht, massiert und erholt wartet. Ist der doch ‚ne Superzeit gelaufen, kurz drauf sehen wir Manuela, Anette und Christel, alle super-happy, alle mit persönlicher Bestzeit. Das war wirklich unser Tag.

Berlin ist immer eine Reise wert, aber dieser Marathon ist es dreimal wert und das war nicht das letzte Mal, dass ich in Berlin laufe.

Kurz nach dem Ziel schießt mir noch ein Gedanke durch den Kopf: „Gott sei Dank ist die Mauer weg!“

 

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