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Gletschermarathon! Hört sich doch richtig gut an!

Wie verrückt muss man eigentlich sein, um sich sowas anzutun?

Diese Frage stellte ich mir am Sonntag des Öfteren, erstmals so gegen 9:02, kurz nach dem Start des Gletschermarathons im österreichischen Pitztal.

Aber mal von vorn!

Vor ungefähr 6 Monaten kam mein Vater mit einem Flyer vom Gletschermarathon und fragte, ob ich da nicht mitlaufen würde.
Dann würde er nämlich gerne mitfahren - denn – er war noch nie im Pitztal (sonst war er in den Alpen eigentlich schon überall).
Naja, 4 Wochen nach Mittelrhein, mal sehen, was bis dahin ist, warum eigentlich nicht, geht ja fast nur bergab.

Also liegt er mir immer mal wieder damit in den Ohren und da es mir nach dem MRM wirklich gut ging, habe ich mich dann letzte Woche angemeldet, Zimmer gebucht und am Samstagmorgen ging‘s los! Mit Papa, Hunden und viel zu viel Gepäck!

Nachdem wir unser Quartier bezogen hatten, fuhren wir meine Startunterlagen abholen.

Erster Eindruck: sehr familiäre Veranstaltung

Dann fuhren wir ins Pitztal, die Strecke begutachten.
Bei diesem Marathon läuft man nämlich von der Talstation auf 1678 Meter die Pitztaler Landesstrasse runter bis Imst auf 761 Meter.
Und dabei läuft man ca. 34 km bergab, 3 gerade und 5 bergauf.

Wir fuhren hoch bis Mittelberg an die Gletscherbahn und wieder nach Mandarfen zur Talstation und ich machte mir so meine Gedanken..........aber seht selbst!

Bilder und Impressionen von der Strecke
http://picasaweb.google.de/sonjaheidger/Gletschermarathon

Zweiter Eindruck: ist ja wirklich eine schöne Strecke!

Dritter Eindruck: vielleicht doch nicht, wird wahrscheinlicher härter als gedacht!

Wird schon gut gehen, wenn nicht steig ich eben aus!


Sonntagmorgen 6:30:

Ich komme in den Frühstücksraum und da sitz da doch tatsächlicher einer mit Laufklamotten und Startnummer, und zwar nicht irgendeiner, sondern mit Startnummer 1.

Oh, sag ich, Erster?
Daraufhin seine Frau: ich hab‘ dir doch gesagt, das ist eine Scheißnummer.

Das Paar, Karin und Bernd, war aus Homburg und er hatte Geburtstag und hat deshalb die Nummer 1 bekommen, ist auch mal eine nette Idee.

Beim Frühstück haben wir uns so darüber unterhalten, wie man denn auf den Gletschermarathon kam. Bernd sagte, er würde an seinem Geburtstag immer etwas Besonderes machen und meinte „Gletschermarathon“ hört sich doch super an.
Karin lief den Halbmarathon in wurde sogar Erste in der W55.

Um 7:20 fuhren wir los und um 8 Uhr kamen wir am Start in Mandarfen an
und hier war mein Eindruck: sehr übersichtlich.

Positiv war, dass diesmal die Schlange vorm Herrenklo war, bei den Damen alles frei, bei gerade mal 36 weiblichen Teilnehmern auch kein Wunder.

Zwei Mädels riefen: Hallo Koblenz, wir sind aus Montabaur, also eher Dreikirchen!!!
Wie klein doch die Welt ist, die beiden waren allerdings recht flott unterwegs, wie die meisten Starter hier.
Sie hatten sich auch im Gegensatz zu mir richtig auf diesen Marathon vorbereitet und sind den Köppel hoch und runter gelaufen, immer wieder!!!
Gefinisht haben sie mit 3:34 und 3:41, Gratulation!

Bernd aus Homburg wurde von jedem wegen der Nummer 1 angequatscht und jeder gratulierte ihm zum Geburtstag, so gut war die Idee wohl doch nicht!

Punkt 9 Uhr wurde der Startschuss aus einer historischen Kanone abgefeuert und das überschaubare Läuferfeld setzte sich in Bewegung, d.h. alle rasten los, wie normalerweise bei einem 10km Lauf.

Ich wurde sozusagen überrannt und da ich dachte es geht die ersten 25 km bergab, war ich bereits nach 500 Meter total am Ende, weil es erst mal hoch ging zur Gletscherbahn.
Na super, dachte ich, nach dem ersten km schon fix und fertig, wieso bin ich nur so schlecht in Form heute? Wenn ich so weiter laufe bin ich gleich letzte!!
Gott sei Dank ging es nach knapp 1,5 km endlich bergab, die Ersten waren bereits außer Sicht, aber ich war noch nicht Letzte. Also durchatmen und Gas.......

Ab jetzt war es wirklich ein super lockeres Laufen, mehr oder weniger steil ging‘s flotten Schrittes durch das schöne Pitztal, Temperatur angenehm, Himmel bedeckt, kein Gedrängel und ab und zu ein Schwätzchen.

Da die Straße nicht gesperrt war, fuhren die Fans mit. So sah man immer wieder die gleichen Leute am Straßenrand stehen, das war richtig klasse.

Mein Vater machte auf diese Art jede Menge Bekanntschaften mit den Männer und Frauen der Läufer, die so um mich herum liefen. Im Ziel kannte er fast jeden Läufer; eine wirklich familiäre Veranstaltung!

Bis km 21 war ich in einem guten Tempo unterwegs, so zwischen 5:10 und 5:25 und alles lief gut, nix tat weh, die Stimmung war gut.

Leider sollte es nicht so bleiben, man soll den Tag nicht ..........und der war noch lange nicht zu Ende!

Bei km 26 ging es dann recht steil bergauf, darauf war ich vorbereitet, Steigung ca . 1 km, nach ein paar hundert Meter bekam ich wieder die Schmerzen im rechten Bein, noch auszuhalten, aber ich beschloss ein paar Meter zu gehen, hätte ich besser gelassen, beim zweiten Schritt durchfuhr ein Stich das Bein und erstmal ging nix mehr.
So humpelte ich den Rest des Hügels hoch, wurde oben von einem Moderator empfangen, aus den Lautsprechern dröhnte: die Heidger, Sonja aus Deutschland!!
ja und ich humpelte da vorbei und dachte ans aufgeben. Aber Schmerz ist Leben und so biß ich die Zähne zusammen und trabte langsam wieder los, jetzt wieder bergab.
Langsam ließen die Schmerzen auch wieder nach und ein km später lief ich wieder lockerer, aber vorsichtig.

Der schlimmste Anstieg lag ja noch vor mir, nach Wenns rein ging es ca. 1,5 km hoch von km 29,5 bis 31 (hier war auch der Start des HM).
Als ich diesen erreichte traute ich mich nicht mehr zu gehen, also lief ich tapfer hoch und hoffte, dass die Schmerzen nicht wiederkamen.
Jetzt merkte ich auch erst wie das bergab laufen in die Oberschenkel geht, das ist eine ganz schöne Anstrengung. Ab km 31 ging es dann runter nach Arzl,
nochmal 4 km relativ steil bergab – und jetzt wurde es brutal, bei jedem Schritt zog es in den Oberschenkeln, wie ich es noch erlebt habe und so schaffte ich mit ach und krach einen Schnitt von 5:30 zu laufen, und das auf einer Strecke, die so schön bergab ging. In Arzl wurde es dann nochmal richtig steil und die Muskeln schrien.
Dann ein kurzer, knackiger Anstieg und nochmal 4 km runter, Serpentinen, jetzt war kaum noch mehr als 5:40 drin und auch alle Läufer um mich herum eierten etwas seltsam, da lief keiner mehr flüssig.

Dann ging es endlich über den Inn, jetzt waren es nur noch 3 km, es ging auch nicht mehr so steil bergab, aber die Beine waren kaum noch zu bewegen, mittlerweile lief ich einen 6:30er Schnitt und komischerweise habe ich wirklich noch Leute überholt.
Bei der vorletzten Versorgungsstelle (km 39,5) ging ich noch mal ein paar Meter, was aber genauso schmerzhaft war.

Die km 41 und 42 gingen wieder bergauf, hier hatte keiner mehr die Energie anzugreifen oder eine Endspurt einzulegen, bei km 41,6 war noch mal eine Versorgungsstelle und von da an ging‘s dann noch mal ein bißchen steiler hoch; ich war kaum noch in der Lage die Füße zu heben und so lief ich km 42 in 7:15!!!!!

Das Ziel vor Augen und die Anfeuerungen des Publikums brachten mich dazu auf den letzten 200 Metern noch mal Gas zu geben,
für einen kurzen Moment merkte ich auch die Beine nicht und dann war ich im Ziel, endlich und noch unter 4 Stunden.

Bernd aus Homburg und die beiden Wällerinnen saßen auch sichtlich fertig auf einem Bänkchen, alle fluchten über die Strecke,
alle jammerten über schmerzende Oberschenkel.
Ich glaube, dass die Österreicher sich klammheimlich ins Fäustchen lachen, jaja locker bergab laufen..

Ich habe mich noch massieren lassen, hat leider auch ziemlich weh getan.

Mein Vater hatte ja mittlerweile viele neue Freunde und unterhielt sich prächtig.

Mein Fazit: ein reizvoller Marathon, nicht zu unterschätzen. Die Veranstaltung ist aber sehr gut organisiert, Startgeld 30 Euro, man kriegt eine Tasche, eine Medaille und diverse Gutscheine (nur für Ösis interessant) nette Leute, gute Verpflegung ohne Drängelei, klein, familiär, sehr kommunikativ.
Wäre was für Franz!
Ich würde da auch noch mal laufen, wenn auch nicht unbedingt nächstes Jahr.

Im übrigen habe ich so einen Muskelkater in den Oberschenkel wie noch nie, es ist jetzt Dienstag abend und ich kann immer noch nicht normal gehen, geschweige denn bergab oder Treppen runter.
Laufen geht gar nicht, und beim Aufstehen muss ich mich abstützen, so bekommt man eine Vorstellung vom alt werden!

Ach, und der Name „Gletschermarathon“ ist natürlich total überzogen, denn man läuft weder auf dem Gletscher, noch drüber, noch sonst wie in der Nähe, man sieht ihn nur mal kurz auf dem ersten km, wenn man weiß wo man hingucken muß!

Ich mach jetzt mal läuferische Sommerpause und wünsche allen einen schönen Urlaub.

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